Mentaltraining

Durch das zunehmend höhere Ausbildungsniveau und die gleichzeitig größere Konkurrenz bei weniger verfügbaren Festanstellungen ist das Abrufen der bestmöglichen Leistung im Probespiel wichtiger denn je. Zur Vorbereitung auf diesen Moment, der für eine Karriere als Orchestermusiker entscheidend ist, greifen wir daher auf Methoden zurück, die auch aus dem Leistungssport bekannt sind: Coaching, Mentaltraining und Videoanalyse.

Regelmäßiges Mentaltraining wird von unserer langjährigen Konzertmeisterin Karin Boerries angeboten, die ausgebildeter Mentalcoach ist. Bei ihr lernen die Mitglieder der Akademie Selbst- und Übemanagement sowie den Umgang mit Stresssituationen. Sie analysieren ihre Auftritte und erfahren, wie ein Orchester im Inneren funktioniert.

 

Künstlerisches Potential optimal entfalten –

Das Mentaltraining in der PHO

von Karin Boerries  (www.musikerberatung-frankfurt.de)

»Bei Musikern beginnt die Hinwendung zu einem Instrument und die Bindung an den späteren Beruf meistens schon im Grundschulalter, zeitgleich mit der Fähigkeit, Lesen und Sch- reiben zu lernen – bei Streichern nicht selten sogar noch früher. Unsere Stipendiaten waren also in einer ganz besonderen Weise mit ihren Instrumenten verbunden, noch bevor sie wussten, dass aus ihrer Begabung Begeisterung und schließlich aus Leidenschaft Beruf(ung) werden würde.

Wenn die Entscheidung für ein Kulturorchester gefallen ist, gilt es, in einem Probespiel den dortigen Orchestermitgliedern viele Qualitäten zu beweisen: Man muss natürlich perfekt vorbereitet sein und es dürfen keine technischen Mängel hörbar werden. Mehr noch geht es aber darum, seine individuellen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten zu zeigen und als eigenständige Musikerpersönlichkeit zu überzeugen.

Das erste Jahr im Orchester ist für jeden jungen Musiker eine besondere Herausforderung. Im sogenannten Probejahr steht der neue Kollege / die neue Kollegin unter steter Beobachtung, wie er / sie sich im Kollektiv ein- und anpassen kann. Dabei werden z.B. Auffassungsgabe, Körpersprache, Klangkultur und Zusammenspiel je nach Orchester unterschiedlich bewertet.

Plötzlich werden also völlig neue Kompetenzen gefordert. Während in einem solistisch ausgerichteten Studium noch Individualität und Besonderheit gelehrt und gelernt wurden, stehen nun im Probejahr ganz andere Tugenden im Vordergrund: das Sich-Anpassen-Können und die Fähigkeit, sich unter- und einzuordnen ohne dabei die eigene Persönlichkeit zu verleugnen. Ein schwieriger Spagat: Der wichtige Schritt vom ICH zum WIR muss gemeistert werden. In diesem Spannungsfeld und an dieser zukunftsentscheidenden Stelle ist Beratung und Coaching besonders hilfreich und wertvoll.

Als ehemalige langjährige Konzertmeisterin des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters bin ich mit derlei orchesterspezifischen Herausforderungen bestens vertraut. Als ausgebildete Mentalberaterin arbeite ich persönlich und in regelmäßigen Einzelcoachings mit den Stipendiaten. Ich stehe ihnen als ständige Ansprechpartnerin für alle Fragen und Probleme, die sich in ihren alltäglichen Orchestersituationen ergeben, zur Verfügung. Außerdem simuliere ich in regelmäßigen Abständen Probespiele, deren Videoaufzeichnungen dann individuell und im geschützten Raum evaluiert werden können. Gleichzeitig sorge ich für einen offenen und konstruktiven Austausch untereinander und initiiere Gesprächsrunden.

Nicht zuletzt sehe ich mich als Bindeglied zwischen den Mitgliedern der Orchesterakademie und dem Orchester – denn nur da, wo eine offene Kommunikation möglich ist, kann sich künstlerisches Potential optimal entfalten.«

Karin Boerries war 26 Jahre lang Konzertmeisterin des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Sie ist ausgebildeter Mentalcoach und leitet das Training der Paul-Hindemith-Orchesterakademie.